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Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte

Tagung der GDNÄ 12. – 14. September 2014 in Mainz

Hans-Jürgen Quadbeck-Seeger, Mainz den 12. Sept. 2014 - Dank-Antwort für die Lorentz - Oken - Medaille

Sehr geehrter Herr Präsident, lieber Herr Müllen, verehrte Amtsträger, meine Damen und Herren!

Über die Verleihung der Lorentz - Oken - Medaille freue ich mich sehr und danke Ihnen herzlich. Ich freue mich persönlich, zugleich aber auch für meine Profession. Es ist schön, dass wieder einmal ein Chemiker ausgewählt worden ist. An dieser Stelle dankt man gewöhnlich seinen Mitarbeitern, aber für das, wofür wie Sie mich heute auszeichnen, hatte ich außer verlässlicher Schreibhilfe keine Mitarbeiter. Danken will ich meiner Frau für Ihre Geduld und Nachsicht. Die Ehefrauen im Saal kennen dieses Problem.

Natürlich habe ich mich über Lorentz Oken kundig gemacht. Er war, wie wir wissen, ein vielseitiger und weitsichtiger Wissenschaftler sowie ein ungewöhnlich engagierter Mensch. Dass er gelegentlich auch Aphorismen schrieb, macht ihn mir besonders sympathisch. Aus seinen vielen Schriften hat mir besonders sein Essay „Ueber den Werth der Naturgeschichte für die Bildung der Deutschen“ aus dem Jahre 1809 gefallen. Darin mahnt er, dass die Vermittlung naturwissenschaftlicher Kenntnisse zu den wichtigsten Aufgaben von Schulen und Universitäten gehöre. Er kommt damals schon zu dem Schluss: Wie kann sich ein gebildeter Mensch in dieser Welt verorten, wenn er zu wenig oder gar nichts von der Natur versteht. Heute gilt dieses mehr denn je.

Seine Begründung war zeitgemäß etwas romantisch. So ich will nach 200-jähriger Geschichte und nach 75 jähriger eigener Lebenszeit und Erfahrung sein Anliegen vertiefen und ergänzen. Dazu wollen wir den homo sapiens einmal mit anthropologischem Blick in seinen Aktivitäten beobachten, so quasi aus der virtuellen Satelliten-Perspektive. Womit beschäftigen sich die Menschen? Es lassen sich sieben Bereiche erkennen. Beginnen wir mit den intellektuellen Leichtgewichten und daher recht beliebten, nämlich Unterhaltung und Sport. Ihre Bedeutung ist allerdings nicht zu unterschätzen. Dann folgen Politik und Wirtschaft, also wie die Menschen ihr Gemeinwesen und Zusammenleben strukturieren sowie darin die Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen organisieren. Es folgen als Sinn- und Werte-vermittelnde Bereiche Religion und Kultur, wozu auch die Bildung zählt. Und schließlich der Bereich, der uns hier interessiert, nämlich die Wissenschaft. Was unterscheidet nun die Wissenschaft von den übrigen Bereichen?

Schauen wir uns um in unserer Welt. Ist der Mensch schlechter geworden oder die Presse besser, auf jeden Fall fällt eines dramatisch auf. Wo man hinhört und hinschaut, es wird getrickst und getäuscht, wird gelogen und betrogen, Macht wird missbraucht und die Habgier scheint keine Grenzen mehr zu kennen. Ungeprüfte Behauptungen werden als Wahrheit ausgegeben. Sogenannte politische Wahrheiten zu hinterfragen, wird in vielen Regionen bestraft und heilige Wahrheiten prüfen zu wollen, gilt als Vergehen oder gar als schwere Sünde. Man könnte verzweifeln, wobei ich besonders an junge Menschen bei ihrer Suche nach Orientierung denke.

Gäbe es da nicht diesen einen Bereich, in dem sich alle, die daran tätig sind und sich ihm verpflichtet fühlen, zur objektiven Wahrheit bekennen. Jeder hat – nach Begabung und Neigung - Zutritt zu diesem Bereich, der Wissenschaft. Dort gibt es keine Dogmen und keine Doktrinen, keine Privilegien und keine Parteilichkeiten, keine Hierarchien für Entscheidungen, keine höheren Instanzen und keine Deutungshoheiten. Es zählt nur die überprüfbare und ständig überprüfte Wahrheit.

Das soll nicht heißen, dass dort die besseren Menschen tätig sind. Aber es gibt dennoch zwei wesentliche Unterschiede. Einmal sind es die Ansprüche an die Arbeit. Was getan wird, muss korrekt, gewissenhaft, ehrlich und nachprüfbar getan werden. Dazu gehört eine Haltung, die in anderen Bereichen des Lebens selten gefordert wird. Der zweite Unterschied betrifft das Fehlverhalten. Natürlich gibt es unter den Personen, die in den Organisationen und Strukturen tätig sind, auch immer wieder einmal schwarze Schafe. Aber nirgendwo werden Versuche zur Täuschung so schnell und gnadenlos aufgedeckt und Betrüger so schonungslos geächtet. Man stelle sich einmal vor, diese Maßstäbe würden in den anderen Bereichen menschlicher Tätigkeiten gelten. Was wäre das für eine andere Welt! Und wie viel Unheil hätte vermieden werden können.

Ich hatte das Glück, den größten Teil meines Berufslebens im Bereich der Wissenschaft tätig sein zu dürfen. Und dabei war es mir mein Leben lang ein Anliegen, junge Menschen für die Naturwissenschaften zu interessieren, so wie es mir in der Jugend ging. Ich versuche, dabei auch bewusst darauf hinzuweisen, dass die Wissenschaft einer besonderen moralischen Dimension unterliegt. Wenn meine Aktivitäten also den einen oder anderen jungen Menschen dazu bewegen konnten, sich für die Naturwissenschaften zu interessieren oder gar einen Beruf in ihnen anzustreben, dann habe ich mein Ziel erreicht. Dann war es all die Mühen wert.

Ich danke Ihnen nochmals für die Ehrung mit dem Versprechen, mich weiterhin in diesem Sinne einzusetzen, solange es meine Kräfte zulassen. Nun wünsche ich Ihnen eine schöne erfolgreiche Tagung mit vielen Informationen, interessanten Kontakten und einer Stärkung des Gemeinschaftsgefühls.




Chemiegeschichte - unter besonderer Berücksichtigung der Region Rhein Neckar

Vortragstext als PDF-Datei [149 KB]




Was können wir wissen?
Haben wir eine Seele?


Vortragstext als PDF-Datei [525 KB]




Ein neues DNA-Modell

Das Genom aller Lebewesen ist auf der Desoxyribonukleinsäure (DNS; englisch Desoxyribonucleicacid (DNA)) kodiert. Dieses komplexe Molekül hat die Struktur einer Doppelhelix. Um sich ein Bild von dem Molekül machen zu können, gibt es neben zahlreichen Abbildungen auch Struktur-Modelle. Diese sind in der Regel sehr teuer. Schüler und Studenten werden sich solche Modelle kaum leisten können. Nach zahlreichen Versuchen gelang es, ein Maßstabs-getreues Modell zu entwickeln, das mit einfach zugänglichen Materialien hergestellt werden kann. Es ist mit einem Preis von circa 2 bis 3 Euro wohl das kostengünstigste und zugleich sehr variables Anschauungsmaterial. In den Zeitschriften "Biologie in unserer Zeit" (Heft 3/2008, Seite 150, PDF-Datei ) und "Chemie in unserer Zeit" (Heft 4/2008, Seite 292, PDF-Datei ) zum Nachbau beschrieben. Zugleich wird ein Wettbewerb ausgeschrieben für die gelungensten Nachbauten.

Ergänzende Artikel:
Chiralität: Überkreuz mit links und rechts, "Chemie in unserer Zeit" (Heft 6/2008, Seite 433, PDF-Datei [723 KB] ) sowie "Biologie in unserer Zeit" (Heft6/2008, Seite 365).

Es wurde ein Konzept entwickelt, das eine einfache Vergrößerung des Modells erlaubt. Damit lassen sich größere Modelle für den Unterricht erstellen. Siehe in "Biologie in unserer Zeit" (Heft 2/2009, Seite 76, PDF-Datei [180 KB] ).




Poster

Die Entdeckung der 92 natürlichen Elemente, aus denen das Universum besteht und die alle auch - was nicht vorhersehbar war - auf der Erde vorkommen, sowie ihre Ordnung im Periodensystem zählen zu den größten Leistungen der Menschheit. Sie sind ein beeindruckendes Zeugnis des Forschergeistes und der Erkenntnisfähigkeit des Menschen. Jedes Element hat nicht nur seine charakteristische Identität, sondern auch seine eigene, faszinierende Entdeckungsgeschichte. Die Forscher und Forscherinnen, die oft unter größten Mühen mit Leidenschaft ihre Ziele verfolgten und so das Fundament für die moderne Chemie legten, verdienen es, als Vorbilder in Erinnerung zu bleiben.
Das Poster gibt auch die Geschichte des Atommodells wieder. ("Nichts in der Natur kennen wir so gründlich wie das Atom und dennoch bleibt es ein Geheimnis, warum es existiert.")
ISBN: 3-527-31679-5

Das historische Periodensystem




Artikel von H.-J. Quadbeck-Seeger


Editorial: Warum sind die einfachen Fragen so schwierig zu beantworten?
in: Biologie in unserer Zeit, 6/2008, S. 349

Das Laboratorium einst und heute
in: Historischer Streifzug durch das chemische Labor, Katalog zur Sonderausstellung des Karl Bosch Museums Heidelberg, 2005 (http://www.carl-bosch-museum.de/de/Shop_de.htm )

Von der biologischen Evolution für die Zukunft lernen

in: Innovationen - Versprechen an die Zukunft, Hrsg. Thomas Ganswindt, Hoffmann und Campe Verlag, 2004, ISBN 3-455-09450-3

Erneuerung durch Bildung
Technische Kompetenz und Innovation oder: Von High-Tech zu High-Teach
in: Orientierung für die Zukunft. Bildung im Wettbewerb.
Hrsg. Alfred Herrhausen Gesellschaft, Piper Verlag, München 2001

Globale Ökonomie und die Rationalität gesellschaftlichen Handelns am Beispiel der molekularen Biologie
in: Zukunft der Aufklärung, Publikation der Karl Heinz Beckurts-Stiftung, S. Hirzel Verlag, 2000, ISBN 3-7776-1076-3

Geht die Suche nach der Zauberkugel zu Ende?
in: Nachrichten aus Chemie, Technik und Laboratorium, 45/1998, S. 110

Chemie und die Entwicklung der Lebensbedingungen - Vom Wandel der Erwartungen
in: Chemie und Geisteswissenschaften - Versuch einer Annäherung, Hrsg. Jürgen Mittelstraß und Günther Stock, Akademie Verlag, Berlin, 1992, ISBN 3-05-501604-1




Besondere Anlässe


Gedanken zum 70. Geburtstag

Keinem, der seinen 70. Geburtstag feiert, bleibt Psalm 90, Vers 10 erspart: „Unser Leben währet siebenzig Jahre, und wenn’s hoch kommt, so sind’s achtzig Jahre, und wenn’s köstlich gewesen ist, so ist’s Mühe und Arbeit gewesen; denn es fähret schnell dahin, als flögen wir davon.“

Also, unter uns: So richtig feierlich klingt das nicht, und Erbauliches hört sich auch anders an. Aber in der etwas holprigen Übersetzung Luthers steckt Ehrlichkeit. Mit 70 hat man also ein biblisches Alter erreicht und die Verpflichtung, es mit Mühe und Arbeit weiter zu versuchen. Für uns Ostpreußen gilt das erst recht, denn wir sind eine bedrohte Art. Wären wir Lurche oder Kröten, wir ständen längst auf allen Roten Listen und lebten in Biotopen. Wahrscheinlich hätte man für uns schon Tunnels unter die Straßen gegraben, damit wir nicht überfahren werden. So aber müssen wir uns selbst um uns kümmern. Dabei steht natürlich die Gesundheit im Vordergrund.

Vor einiger Zeit sind mir durch Zufall die Worte eines in dieser Hinsicht besorgten Ostpreußen in die Hände geraten. Der Autor ist nicht genannt gewesen, vielleicht sind die nachdenklichen Betrachtungen auch schon durch mehrere Hände gegangen. In landsmannschaftlicher Verbundenheit will ich den Text wegen seiner Sprache und der Denkweise weiterreichen. Um Authentizität bemüht habe ich wenig verändert und einiges hinzugefügt. Herausgekommen sind die „Betrachtungen eines Ostpreußen zum 70. Geburtstag“.

Damit will ich allen, die an meinen Geburtstag gedacht und mir damit eine Freude gemacht haben, meinen herzlichen Dank abstatten. Die moderne Medizin hat die alte Volksweisheit „Humor ist die beste Medizin“ voll bestätigt. In diesem Sinne:

Vielläicht kann ich ja als Jejenjabe ein wenich fir Ihre Jesundheit tun.

Mit janz herzlichen Jrießen
Ihr
Hans-Jürgen Quadbeck-Seeger


Betrachtungen eines Ostpreußen zum 70. Geburtstag

Wenn man 70 wird, is man häufijer beim Doktor und in der Aptek als in de Kirche. Und wenn du vom Doktor kommst, fiehlst dich immer so richtich bedripst, weil er einem Zunder jejeben hat wejen de Ernährung und de schlächten inneren Werte, ich meine die vom Labor. Die haut er dir dann ohne Erbamen schnoddrich um die Löffel. Du verstehst nix, aber es macht dir Sorjen.

Ja, frieher, das waren noch Zeiten. Da hat man sich um vieles nich kimmern missen, weil es das janze Zeuch noch jar nicht jejeben hat. Damals, ich mecht jar nich dran denken, als es zum Beispiel noch nich de Cholesterinchens jab. Damals konntst noch essen, dass das Wasser im Mund nur so zusammenlief. Da konntst dir den Bauch vollschlajen und kein Cholesterinche kimmerte sich drum. Späck, Eier, Flinsen, Fläck, immer rein damit, macht ja nuscht!

Das Essen machte richtich Spaß – aber heite? Erbarmung! Da kann dir richtich graurich werden. Zum Beispiel so e Klops’che! Keenigsberjer oder e Bratklops. Die sehen doch scheen aus, so rund und saftig, nich ze hart und nich ze weich, mit viel Kapern, hast deine Freid dran bloß all beim Hinkucken. Aber da haben se doch jetzt jesättichtes Fätt entdeckt. Wo möchte das auf einmal herkommen? Jesättichtes! Schweinerei! Dänn in dem jesättichten Fätt haben sich nu de kleinen Cholesterinchens jemietlich jemacht! Hucken da und lauern wie Aasgeier, sacht de Doktor.

Janz jefährlich! Nicht der Doktor – de Cholesterinchens. Treiben in deinem Blut, de Beine rauf, de Arme runter – immer so heimlich, stikum, still und leise – bis se so e ruhjes Äckche in dir jefunden haben, wo ihnen jefällt. Und da klammern sich de koddrijen Biester an deine Aderwände ran und sätzen sich fest. Wejen nuscht und garnuscht, bloß so fier de Sälbstver-wirklichung. Suchen vielleicht ihre eijene Identität, so wie viele fortschrittliche Menschen heite. Na und das Scheenste is: Du märkst nuscht davon, kein Fieber, keine Schmärzen, kein Schwindel, rein jarnuscht. Wennste wenichstens mehr Durscht hättest, aber auch das nich.

Der Doktor hat mir alles erklärt. Das is so wie mit de Bakteriens. Sind auch so kleine Dobasse. So klein, kannst se nich mal sehen. Haben keinen Kopp nich, kein Maul, nich mal e kleines Zachelche (Schwänzchen). Und diese krätschen Äster huschen auch iberall in und auf dir rum. Iberall, nich bloß auf deine Backen, obwohl se Bakterien heißen. Nei, auf deine Hände, Fieße, sogar auf deinem Mund – pfui Deiwel!

Und wenn du zum Beispiel deinem Marjellche e Kuss‘che jiebst, dann springen so – na sajen wir mal – e Million von diese Dinger zu dir rieber und umjekährt – sacht jedenfalls de Wissenschaft. Aber weit und breit is kein Baktärche zu sehen. Was se eijentlich so machen den janzen Tach, kann ich mir auch nich so richtich vorstellen. Se jucken nich und beißen nich. Warum se der Herrjott iberhaupt hat jeschaffen, weiß nich mal de Doktor.

Naja, ich will nich ausfusseln und wieder zur Sache kommen. De neimodschen Cholesterinchens sind auch klein und still. Und wenn du nun zu viele Klops’chen oder Spirkelchens (Speckstücke) isst, dann verwirklichen se sich immer mehr sälbst, drängeln sich in jroße Klumpen an deine Aderwände ran und dann – mittemal – Prost Mahlzeit!! Se lösen sich und verstopfen irjendwo kleine Aderchen, zum Beispiel im Kopp. Krichst vielleicht Lejastenie oder wie das heißt, oder Schlimmeres. Kannst auch was am Härzen kriejen. Na, also dann hört de Spaß aber auf.


Deshalb äss ich jetzt was anderes. Müsli heißt das Zeuch. Sieht aus wie Schrot und Häcksel. Krichten frieher bei uns in Ostpreußen die Färde. Müssen se wohl in Sieddeitschland erfunden haben. Müsli – hört sich an wie kleine Mäuschens. Sieht auch e bisschen aus wie zum Mäuse fangen. Aber in diesem Pampel is nu auch Fätt drin. Aber aufjepasst: Unjesättichtes! Deshalb wirst auch nich richtich satt davon – dafir is aber auch kein einzijes Cholesterinche zu finden. Und außerdem haben se da noch Vitaminche reinjehauen. Das janze Alphabet. Aber die kannst auch nich sehen, obwohl du mit denen besser sehen kannst. Steht jedenfalls auf de Schachtel. Und Risiken sind auch noch drin, man soll de Doktor oder de Apteker frajen.

Von de Aptekerin hab ich mich dann beraten lassen, was ich sonst noch könnte tun. Hat sie mir Vitamine 50plus empfohlen. Das is doch was fir junge Leute. Ich brauch 70plus. Jibt es aber nich. Tipisch! Zu Hause hab ich den Beipackzettel jelesen. Mannche, Mannche, was da alles drin is. Sojar Chrom, dabei will ich jar nich jlänzen. Aber dann stutz ich: N i a c i n? Die Aptekerin hat es mir verraten. Is de Tarnname fir Nicotinsäure. Nu haben se jrade das Rauchen in jeschlossene Räume verboten, und jetzt schmuggeln se das Jiftzeuch in de Jesundheitspillen. Vielleicht soll man sojar sichtich werden. Und nicht einfach Nicotin, nein, jleich de Säure. Ätzt vielleicht Löcher in de Lunge oder sonst noch wo. Was soll man heute noch jlauben mit de Ernährung? Und de Wärbung macht eienem janz verrickt. Ich trau nich richtich, keinem nich.

Ach ja, frieher das waren noch Zeiten. Wenn da einer auf dem Lande einen runden Jeburtstach hatt, wurd e Schwein jeschlachtet und drei Taje lang jefeiert, bis alle bedammelt waren. Aber heit jiebt jeder einen Ämpfang. Als ob er ein Jutsherr wär, der wo seine Bediensteten einmal im Jahr betuddern (bemuttern) tut. Ja, Ämpfang muss heite sein! Hast im Flur dem Schäckert (Jackett) ausjezojen, krichst erst mal e Schlubberche Sherry. Das is so e braune bittre Flissichkeit, wie zum Putzen von de Möbel. Da wär mir e Bärefang (1) lieber. Der umjeht de Leber, weil die vom Honich abjelenkt wird und der Schnaps jeht direkt in de Kopp. Soll jut sein fir de Durchblutung und auch de dammlichen Cholesterinchen werden rausjespült. Aber wo kriechste heute noch Bärenfang. Nich mal auf Rezept und das wäre sojar jerechtferticht wegen de Vorsorje. Als Ersatz, wenn auch nur in Jrenzen, wär so ein ehrlicher Klarer ja auch nich schlecht.

Stattdessen jiebt es noch e Pastetche und e Schinkenrollche und natierlich Lachs mit Kaviar. Sieht aus wie nasse Schrotkugeln ausse Jachtflint. Damit haben se bei uns de Haskes jeschossen. Aber nei, das sind Fischeier! Eier hat mir der Doktor streng verboten und jetzt soll ich so viel essen, dass se mir iber de Finger kullern. Nuscht nich! Ich bin doch nich lebensmiede.

Und zum Schluss jiebt es Weinbeerchens mit son Prickel auf e Stick Keese jesteckt. Obst is jesund und schmäckt ja auch nich schlecht, wenns nich zuviel is. Aber Vorsicht! Wenn du das Beerchen essen willst, kannste es nich einfach so runter pulen. Du musst ärst den Käse schlucken, wo du auch nich weißt, was drin is. Man hört ja so einijes in de letzten Zeit. Dann musste noch den Prickel rausziehen und ihn irjendwie verschwinden lassen. Jeheimtipp is de Blumenvase. Eijentlich schade, denn der Prickel aus Holz is das Jesündeste. Ja ährlich, denn mein Doktor hat mir einjefuchst, dass alles, was ich nich ässen tu, jesund is für mich. Am Besten wär, man isst jarnuscht mehr, dann biste zwar irjendwann dod, aber kernjesund!

Jaja, das Ässen is heit e jefährliche Anjelejenheit. Und nu huck ich jeden Tach vor so e Pampel Müsli und zieh eine Flunsch. Mir is all janz koddrich im Majen von diesem Färdefutter. Nu überlech ich, ob ich nich doch auf die Cholesterinchens pfeifen und wieder was Verninftijes ässen soll, was mir so richtich Freude macht wie fieher. Vielleicht erreich ich dann die achtzich Jahre nich, sondern nur neunundsiebzich. Aber es könnten werden schöne neun Jahre, wenn der Herrjott es möchte so wollen.



Hans-Jürgen Quadbeck-Seeger Bad Dürkheim, Juni 2009

Nach einem Text eines unbenannten Landsmannes, erweitert und ergänzt mit eigenen Erfahrungen und Überlegungen zum Thema daselbst.

1)Bärenfang oder auch Meschkinnes: Ostpreußisches Natiomaljetränk aus Korn und Honich sowie jeheime Zutaten, die Familenjeheimnisse waren. Hat zuweilen wie ein wahres Wundermittel jewirkt.